Zuliefern heißt ausliefern

Die Politik für das Ausland, die in Österreich betrieben wird, hat viele kleine und mittlere Gewerbe- und Industriebetriebe in die völlige Abhängigkeit von ausländischen Abnehmern getrieben. An die dreihundert Firmen haben sich in Österreich allein als Kfz-Zulieferanten vor allem deutschen Automobilkonzernen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Als die Ford Werke AG in Köln im Sommer 1988 ein Zuliefer-Meeting ansagt, bewerben sich 74 Erzeugerfir­men aus Österreich. Auch Steyr-Daimler-Puch ist schon zu einem Komponenten-Zulieferer für Opel und Mazda heruntersaniert worden. Dasselbe Schick­sal ist Teilen der VÖEST Alpine (Auspuffanlagen, Auspuffrohre, Windschutzscheiben, Bleche u.a.) zugedacht.

Die Demolierung der österreichischen Nationalindustrie, die der westeuropäi­schen Grundstoffindustrie immer schon im Wege war, hat hier Raum geschaf­fen für das, was das große ausländische Kapital von uns will. Kein kleiner Teil der Werkbänke in Österreich, an denen billige österreichische Arbeiter Auto­teile herstellen, gehört ausländischen, meist deutschen Zulieferbetrieben (Fichtel & Sachs, Naue und Naue, TRW Repa, Kaco, RKW, Blau, Aalflex, Dekalin, Dräxlmaier u.a.m.). Zigtausend Arbeitsplätze in Österreich hängen hier voll und ganz von der Konjunktur in der BRD ab. Im Jargon derer, die die Aufgabe haben, uns das Denken zu nehmen, heißt das dann „Exportstärke“.

Durch die neuen österreichischen Steuerbestimmungen bezüglich Dienstau­tos, die auch privat genutzt werden, fürchtet die deutsche Automobilindustrie „erhebliche Absatzrückgänge bei den hochpreisigen Modellen“. Sie fordert von Lacina „eine Reform der Reform“. „In ihrem Schreiben weisen die deutschen Autohersteller darauf hin, daß ihnen eine Änderung der Bestim­mungen ein ernstes Anliegen sei und man unter Umständen eine Änderung der Zulieferpolitik ‚überdenken‘ müsse.“ (Standard, 26.1.1989) Wie halt der Herr mit dem Knecht umgeht.