Wojtyla in Liechtenstein

Als das Volk aber zu murren begann: wer soll das bezahlen, murmelte die Regierung: wir lassen uns die Lüge etwas kosten, das zahlt sich aus, das zahlt sich aus. Da beruhigte sich das Volk. (Nur noch Frau Schädler, die wirklich so heißt, schrieb nachlesbar von dem Fressen und dem Saufen.) Denn zweierlei brauchen die Liechtensteiner ständig, erstens einen Hinweis darauf, daß es sie überhaupt gibt und zweitens einen Hinweis darauf, daß es sie so, wie es sie gibt, geben darf. Und dazu war Wojtyla gerade gut genug. Den Deal mit dem hatten die schnell kapiert: dem singen wir seine Gesänge, der zeigt sich mit uns der Welt ...

So konnte denn Wojtyla vor aller Welt folgendes verkünden: a) von sich, daß er den Vorsitz in der Liebe führe, b) vom genauen Geburtsdatum Mariens, daß dieses zwar nicht bekannt sei, doch in die Jahre unmittelbar vor jener heiligen Nacht in Bethlehem falle, c) vom inneren Frieden, daß diesen nur der Herr geben könne, d) von der gewissen Überwindung, daß es diese koste, wolle man wieder mit dem Tischgebet beginnen, e) vom täglichen Gebet, daß es alle, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Laien und Kleriker, Ordensmänner und Ordensfrauen, Gesunde und Kranke, Behinderte und Betagte nicht lassen sollen, f) von den aggressiven Ideologien, daß sie sich für modern hielten und uns einreden wollten, die Ordnung durch die Familie wäre überholt und sogar menschenfeindlich, g) von all jenen Grundsätzen, daß die katholische Kirche sie unverkürzt und uneingeschränkt wiederholen und immer neu betonen werde, jene, die insbesondere das Übel des außerehelichen Zusammenlebens und die Abtreibung der menschlichen Leibesfrucht beträfen, h) von Liechtenstein, daß dieses der katholischen Kirche den besonderen Schutz des Staates zusichere, dennoch jedermann die Glaubens- und Gewissensfreiheit gewährleistet sei, i) von der göttlichen Vorsehung, daß diese ihm die oberste Hirtensorge für alle Kirchen aufgetragen habe, j) von der staatlichen Gewalt, daß es keine gebe, die nicht von Gott stamme, k) von sich, daß das sichtbare Oberhaupt der Kirche Christi, die die Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität besitze, er sei, l) vom Mutterschoß, daß das darin werdende menschliche Leben durch die Schöpfermacht Gottes im geheimnisvollen Zusammenwirken mit der lebensspendenden Kraft von Mann und Frau entstanden sei, m) vom Mutterschoß, daß wir uns grundsätzlich freuen sollten, wenn darin ein Kind entstünde, n) vom klaren Blick, daß Maria, die Morgenröte des Heils, die uns Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, geboren habe, diesen uns vermittle durch ihr mütterliches Leuchten, o) von sich, daß er als Bote der Frohen Botschaft Christi zu ihnen gekommen sei, p) vom Leid, daß es immer heilbringendes sei — vorausgesetzt, es sei um Christi Willen angenommen, q) von Christus, daß wir tun sollen, was er sage!, r) von der Größe Gottes, daß sie diese Völker entstehen und vergehen lasse, s) von Gott in Auschwitz, in Hiroshima und Nagasaki, daß dieser das Böse im Menschen eben zulasse, f) von Gott in Auschwitz, in Hiroshima und Nagasaki, daß dieser das Böse im Menschen eben zulasse, weil er dessen Freiheit achte, u) von Gott in Auschwitz, in Hiroshima und Nagasaki, daß dieser das Böse im Menschen eben zulasse, weil er dessen Freiheit achte und weil er für diejenigen, die ihn lieben, alles — selbst das Schlimmste — noch zum Guten zu wenden vermöge, v) von Gott, daß ihn zu loben die vornehmste uns im Leben gestellte Aufgabe sei, w) von der Vorläufigkeit einer freundschaftlichen Beziehung, daß wir während ihr jene Formen der Liebe und Zärtlichkeit kultivierten, die ihr, der Vorläufigkeit, angemessen seien, x) vom Sportler, daß dieser seine Leistung gefährde, so er seine Trainingsstunden versäume und y) von der notwendigen Klarheit, daß wir um sie beharrlich beten sollen.

Das wars, was Wojtyla seinen Brüdern und Schwestern im Herrn zu sagen hatte. Was stört dieser Heuchler die Heuchler. Pharisäer ist in diesem Land ein Kompliment. Hier schätzt man die Lüge an ihrem Erfolg.

a) bis y) war also meinen Lieben zugedacht, eines jedoch war Vorbehalten meinen sehr geehrten Damen und Herren auf Schloß Vaduz. Denen galt es zu berichten z) von den wertvollen Kontakten, daß diese bereits bestünden zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und dem Heiligen Stuhl, durch Zusammenarbeit auf internationaler Ebene, vor allem in Hinblick auf die Frage der Sicherheit und Zukunft Europas. Durch Zusammenarbeit. Im Hinblick auf die Frage. Von den wertvollen Kontakten. Auf die Frage der Sicherheit. Der Sicherheit und Zukunft Europas. Auf internationaler Ebene.

Und damit wären wir beim Thema (das Thema: daß Wojtyla gar kein Mächtiger ist, kein Fürst, sondern nur ein Handlanger, ein Wandergeselle, ein Eiliger allerdings, zum Zwecke der Sicherheit und der Zukunft, der Nuntius der NATO, Europas, auf internationaler Ebene.)