Scheckbetrug

Die FP zur vollen Größe aufgepäppelt hat die Vereinigung Österreichischer Industrieller (VÖI). In Heft 18 dieser Zeitschrift wurde das am Beispiel der Tiroler FP mit Originalbelegen ausführlichst dokumentiert. Herbert Krejci, der langjährige Sprecher der Großindustriellen, hat sich schon 1982 in einem Zeitungskommentar gefragt, „ob man mit den herkömmlichen demokratischen Usancen [=Bräuchen] und Institutionen heutzutage und auf längere Sicht Politik machen kann“. Er wünschte sich einen „rechten Sozialdemokraten“ „mit viel Autorität, Führungseigenschaften und einem guten Schuß Brutalität“, „um die immer mehr nachdrängenden ’Linken’ in Schach halten zu können“ (Gewinn, 11/82). Mit Haider haben sie genau diesen „rechten Sozialdemokraten“ gefunden. Als wenige Tage nach Haiders Lob auf Adolf Hitlers Unternehmerpolitik im Kärntner Landtag ein junger Industrieller anläßlich der Vollversammlung der VÖI eine Rücktrittsaufforderung an Haider begehrte, mußte er „fassungslos hinnehmen, daß die Vollversammlung schließlich per Akklamation seinen Antrag ablehnte“ (AZ, 22.6.91). Franz Ceska, Krejcis Nachfolger als Industriellen-Generalsekretär, hat wiederholt betont, er habe „ein sehr gutes Gesprächsklima mit der FPÖ“ (Kurier, 28.8.92). Der Beitrag der Geldsäcke zu diesem Klima ist Geld. So „leiht und bezahlt die Industriellenvereinigung der FPÖ ständig eine Anzahl junger Führungskräfte, die bei den Freiheitlichen ihr ‚Trainee-Programm‘ absolvieren“ (S. Nachrichten, 2.9.91). Daneben ist es der FPÖ möglich, „Parteimitarbeiter auf die payroll [- Gehaltsliste] der Vereinigung zu setzen“ (Wirtschaftswoche, 18.2.93). „Entscheidend für die Industrie“, sagt der langjährige VÖI-Scheckabholer Gerulf Stix über die Spendabilität gegenüber der FPÖ, „ist die Übereinstimmung mit der Generalrichtung“. Das wird sicher so sein, vielleicht hat er sogar Generalsekretärrichtung gemeint. Zu Haiders Drohung, die Regierung vor sich herzutreiben, sagt F. Ceska bei einer FP-Veranstaltung: „Ich kann nur befürworten, daß die Regierung getrieben wird.“ (Kl. Zeitung, 28.9.92)

Die Verflechtungen sind vielfältig: Während die VÖI Haider zu einem Vortrag ins Haus der Industrie bittet (Cash Flow, 12/87), erwägt die FP sogar, Krejci als Bundespräsidenten-Kandidaten aufzustellen (AZ, 26.8.91), bescheidet sich aber dann doch mit dem Chef der Industriepolitischen Abteilung der VÖI, P. Kapral, als neuem Abgeordneten und Europa-Sprecher der Partei. 1990, als die FPÖ noch mit 9,7 Prozent der Stimmen im Nationalrat vertreten war, sagte der Industrielle G. Mautner-Markhof: „Nach meiner Schätzung sympathisieren bereits rund 20 Prozent aller Mitglieder der Industriellenvereinigung mit der FPÖ“ (Kurier, 22.5.90). Demnach könnten es jetzt, da die FPÖ 22,3 Prozent Wählerstimmen hat, 45 Prozent sein!