Miteinander habern und sich miteinander verhabern sind eins

Die Großindustriellen geben ihren politischen Söldlingen, die ihnen für gewöhnlich aus der Hand fressen, auch hin und wieder auf einem Teller in einem feinen Lokal etwas zu kosten. So wird beispielsweise der Vizebürgermeister und angehende Bürgermeister von Innsbruck, Niescher, am 29. Oktober 1982 vom Vizepräsidenten und angehenden Präsidenten der VÖI, Huter, und dessen Geschäftsführer ins Modegasthaus ‚Wilder Mann‘ ausgeführt. Zum Essen gibt’s für den ÖVP-Politiker reichlich Ezzes. Als er wenige Wochen später der erweiterten VÖI-Spitze dann seine (?) ‚Vorstellungen für eine effiziente Wirtschaftspolitik im Bereich der Stadt Innsbruck‘ vorlegt, kann er ‚gleichzeitig eine Vielzahl wertvoller Anregungen aus dem Kreis der Innsbrucker Industriebetriebe entgegennehmen‘ (Jahresbericht der VÖI-Tirol 1982). Die allerwertvollsten Anregungen dürften von der Art des oben erwähnten Sparbuches gewesen sein. (Ganz nebenbei wurde ihm ein VÖI-Vizepräsident, der Großhändler Greil, in den Stadtrat gesetzt.)

Und was ist dazu zu sagen, wenn ein anderes Beispiel aus dem gleichen Zeitraum - Landeshauptmann Wallnöfer vom Präsidium der Industriellenvereinigung zum Mahle in den Blauen Salon des Hotel Europa in Innsbruck gebeten wird (17.12.82)? Daß er sich diese Brosamen (Zander, Scampi, Tafelspitz usw.) an der Futterkrippe der VÖI durch seine jahrzehntelange Dreckarbeit für diese Bande von A bis Z (von Autobahnen bis Zwentendorf), wenn schon nicht redlich, so doch hinreichend verdient hat. Wählen ist vielleicht ein Zeitvertreib für einen verregneten Sonntag, aber kein Mittel, etwas zu verbessern.

Hinter ihnen stehen Hunderttausende
(Foto: ÖVP)

Der FÖHN ist kein Vollprogramm. Er ist erst richtig gebraucht, wenn man ihn zu dem, was die herrschenden Medien verbreiten, dazu liest. Erst dann schnagglt’s im Hirn. Zu jeder Information über die Industriellenvereinigung, die in diesem Heft steht, müssen die Informationen, die zu diesem Thema in Profil und News, Standard und Kurier nicht stehen, dazugelesen werden.

Auf die Frage, warum die Wirklichkeit nicht in die Öffentlichkeit findet, stehen ein paar Antworten im vorigen Heft (Drucken wie gelogen). Und hier folgt zur Illustration noch eine kleine Geschichte:
Daß im einzigen Buch zum Thema Industriellenvereinigung, geschrieben von einem Angestellten der Industriellenvereinigung, (Th. Faulhaber, Die Vereinigung Österreichischer Industrieller, 1980) kein wahres Wort über den wahren Charakter der VÖI drinsteht, was soll’s? Aber die Geschichte, die ich meine, ist eine andere. Im Oktober 1979 wurde an der Politikwissenschaft in Innsbruck eine Diplomarbeit über ‚Parteienfinanzierung und deren Auswirkungen auf innerparteiliche Strukturen, dargestellt am Beispiel der ÖVP‘ vorgelegt. Ihr Verfasser ist Anton Kofler, seinerzeit Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft Innsbruck und heute politischer Berater der Grünen in Wien.
Es ist nicht weißgott wie wichtig zu bemerken, daß die Informationen über den Hauptfinancier der ÖVP in dieser (von Professor A. Pelinka) betreuten Arbeit äußerst dürftig sind, sondern zu sagen, warum. Kofler verdankt sein Wissen über die Industriellenvereinigung, wie er selbst anmerkt, einem Brief, den der Generalsekretär der VOI, Krejci, am 24.8.1979 an ihn gerichtet hat. Als dieses Schreiben einlangt, ist der VÖI-Forscher Kofler grad nicht in Innsbruck? Wo ist er in dieser Woche? In Alpbach. Bei den Hochschulwochen. Und? Er ist dort auf Einladung und auf Kosten der Vereinigung Österreichischer Industrieller (Landesgruppe Tirol). Hat einer erwartet, daß er in die Hand, die ihn füttert, beißen würde?