Für Politiker gibt’s Geld. Für Geld gibt’s Politiker.

Greifen wir uns, um das Türaus-Türein im Haus der Industriellen anschaulich zu machen, einen einzigen Tag heraus. Den 26. Juni 1975, an dem auch O. Keimel dort reich bescheckt wurde. Schon einige Zeit vor ihm war der Landesgeschäftsführer der FPÖ, H. Heinrich, bei den Industriellen aufgekreuzt. Er hatte erst vor drei Wochen bei der Industriellenvereinigung einen Barscheck in der Höhe von 13.000 und einen in der Höhe von 100.000 Schilling ausgefaßt. Heute kann er den Erhalt eines Schecks über 81.000 Schilling bestätigen.

Um die Mittagszeit trifft der Landesparteisekretär der ÖVP, R. Fiala, im Büro der VÖI ein. Für ihn sind zwei Schecks vorbereitet, einer über 30.000 und einer über 210.000 Schilling.

 

Beinahe hätte er sich mit den Geldgebern verplaudert, und er wäre auf dem Gang mit dem Landesparteiobmann der FPÖ, G. Stix, zusammengestoßen. Stix wird von den Industriellen heute mit einem 50.000-Schilling-Scheck bedient. Trotz dieses regen Tagesbetriebs, trotz der anderen regen Tagesbetriebe, hat die Industriellenvereinigung am Monatsletzten noch eine Legge Geld im Trüchl. Aber es verkommt dort nicht. Der Geschäftsführer höchstselbst zählt am 30. Juni 1975 2.562 Tausender und einige Gröschlein herunter, stopft’s in die Aktentasche und macht sich in der Dämmerung aus dem Haus. Zurück läßt er zwei Bestätigungen:

Wo geht er hin? Wem gibt er’s? Ja, wem wird er die zweieinhalb Millionen Schilling ’lt. Präsidiums-Beschluß’ schon ’weitergegeben’ haben?
Das alles muß man einfach wissen, mein’ ich, um am Wahltag über dieses Demokratie-Theater das Kreuz machen zu können.

Von zehn Tiroler Industriearbeiterinnen und Industriearbeitern rackern neun in VÖI-Mitgliedsbetrieben. Viele Millionen Schilling der von ihnen vom Zementeinsackln bei der Firma Schretter bis zum Mehlabpackln bei der Firma Rauch erzeugten Gewinne werden von den Industriellen in eine Politik gesteckt, die (siehe Nullohnrunde, siehe Sparsteuer usw.) ganz klar gegen die Interessen der Arbeitenden gerichtet ist. Klassenkampf findet zwar im Sprachgebrauch nicht mehr statt, aber aus der Wirklichkeit konnte er noch nicht herausgeschminkt werden.