Eine Demokratie, wie sie im Büchl steht: im Scheck-Büchl

Die Kapitalisten legen ihr Geld nicht wie unsereins, wenn es ein paar Tausender hat, zum Eckzinssatz an. Sie investieren dort, wo die höchste Rendite winkt. Die ÖVP ist in Tirol eine gute Aktie. Die FPÖ ist eher langfristig interessant. Aber schauen wir uns doch einmal an, mit welchem Einsatz die Industriellen hier spekulieren.

‚Spenden für Bedürftige‘ und ‚selbst auferlegte soziale Verpflichtung‘:
Der Geschäftsführer der VÖI bricht uns glatt das Herz (aus einem Brief an die ÖVP Innsbruck, 1.12.1976).

Weil seit 1.7.75 solche Spenden, soweit sie überhaupt deklariert werden, mit einer 35%igen steuerlichen Abgabe belegt werden, suchen Geber wie Nehmer nach Umgehungsmöglichkeiten.
Der Landesparteiobmann der FPÖ, Stix, macht das so: Er legt der Industriellenvereinigung Rechnungen (ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer!) für Meinungsbefragungen, Analysen, Studien eines ihm nahestehenden Institutes vor, wofür er dann — ohne Abzug — mit Scheck kassiert. Ich bin der Meinung, daß ein großer Teil dieser behaupteten Arbeiten gar nicht existiert. Bachmann bestreitet dies. Stix heuchelt gar: „Leider gibt es keine ‚uns nahestehenden Institute‘.“ (Schreiben vom 10.7.92)

Der Reihe nach: Im Mai 1976, um irgendwo anzufangen, trifft bei der VÖI eine Rechnung der ‚Gesellschaft für wirtschafts- und sozialpolitische Studien‘ (Wien) ein, die gradaus 100.000 Schilling ausmacht. Behauptet wird darin eine erfolgte ‚Meinungsbefragung im Raume Innsbruck über die wirtschaftspolitischen Präferenzen und Verhaltensweisen der Erwachsenenbevölkerung im Großraum Innsbruck‘. Wurde eine solche Studie je vorgelegt? Im Tätigkeitsbericht der Industriellenvereinigung aus dem Jahre 1976 ist keine erwähnt. Für Herrn Stix ist das auch nicht so wichtig. Er darf am 4.6.1976 einen Barscheck, ausgestellt auf 100.000 Schilling, entgegennehmen.

Im Dezember 1976 trudelt schon wieder eine Rechnung der oben genannten Gesellschaft bei der VÖI ein, für eine ‚durchgeführte vergleichende Analyse über die Arbeitszufriedenheit in Betrieben‘, wie behauptet wird. Die verlangten 75.000 Schilling werden schon wieder nicht mit Zahlschein überwiesen, sondern in Form eines Schecks vom Landesparteiobmann (LPO) abgeholt, der so unvorsichtig ist, die Übernahme mit Dr. G. Stix, LPO zu bestätigen (siehe unten).

Weil grad Weihnachten ist, bekommt Herr Stix an diesem Tag auch noch einen Scheck, lautend auf S 74.070 (= S 100.000 brutto), den er wie oben (mit LPO) quittiert.
Wenn man die FPÖ in nichts mit der NSDAP vergleichen könnte, so immer noch darin, daß diese wie jene von der Großindustrie großgezogen wurde.