Ein tolles Feindbild braucht einen tollen Rahmen

Wo Plakate es ins Land hinausplärren: „Haider kommt!“ — schallt es von unzähligen Flugblättern zurück: „Wir kommen auch!“ Seit Jahren mobilisieren Anti-Haider-Initiativen mit enormem Einsatz auf Unis und in Schulen für Haiders öffentliche Auftritte. Sie sind nicht gesteuert, nein, das sieht nur so aus. Es ist ihnen wirklich ernst. Was sie tun, ist zwar nicht gut gedacht, aber gut gemeint. Ein schönes großes Feindbild macht die Sache deppeneinfach. Haider bestimmt Ort und Zeit, und sie brauchen ihm nur zu folgen. Aber natürlich gehen sie gegen ihn an diesen Ort, darauf legen sie Wert. Sie hüpften, wenn er in den Bach hüpfte, ja auch gegen ihn in den Bach. So unschuldig und unbedarft, wie sie sind, haben sie sehr viel mit den Haider-Wählern zu tun, wogegen sie sich natürlich arg verwehren. Ihre bedeutendste Leistung neben ihrer stimmlichen ist die absolute Treffsicherheit auf das falsche Ziel. Die unendlich vielen Berührungspunkte zwischen FP und SP(VP) sind sie fest entschlossen, als dicke Mauer zu sehen, die die beiden voneinander trennt. Sie machen Haider ohne Not zu dem ganz anderen, womit sie ihm (und auch ein bißchen den übrigen Parteien) viel Gutes tun. Ihr Nichts-Wissen sollte man ihnen gar nicht vorwerfen, nur ihr Nichts-Wissen-Wollen. Was möchten sie eigentlich vor Haider schützen? Die Zustände, die ihn hervorbringen oder was?