Das Bundesheer schützt die Geldhäuser

Indem die Geldsäcke ihren Besitz so bewachen lassen müssen, gestehen sie schon ein, daß er nicht rechtens ist. Österreich ist kein Militärstaat, aber es ist alles hergerichtet dafür. Die Vereinigung Österreichischer Industrieller (Landesgruppe Tirol) setzt nicht nur regelmäßig Preise aus für Wettschießen der Unteroffiziere mit dem Sturmgewehr und stiftet nicht nur Ehrenpreise für die ‚schießwettkampfmäßige Kaderfortbildung‘ beim Militärkommando Tirol, sie trägt auch gern über Inserate (Heeressportkalender, Military Sport) und über Ehrenspenden bei verschiedenen Garnisonsbällen zur Unterstützung des Heeres bei. Was ist das schon, könnte man einwenden, die VÖI in Wien, so geht die Rede, finanziert massiv die Österreichische Militärische Zeitschrift. Na und, könnte man drauf wieder sagen, der Zeitungsindustrielle J. St. Moser zahlt im Alleingang die Illustrierte der Offiziersgesellschaft Tirol (Appell), und so weiter. Die jungen Soldaten, die wie Hunde die burgenländische Grenze auf- und abgehetzt werden, und der dreckig bezahlte Unterbau, das sind Leute wie wir. Aber die mit den goldenen Keks am Kragen, die werden an die andere Seite gekettet.

EINE IHM ALS DANK für die vielen großzügigen Preisspenden für militärische Veranstaltungen gewidmete Ehrenscheibe übergab gestern Militärkommandant Divisionär Erich Seyer an Komm. Rat Daniel Swarovski. V.l.n.r.: KR Daniel Swarovski, der bekannte Tier- und Jagdmaler Hubert Weidinger, der die Scheibe herstellte und Divisionär Erich Seyer. TT-Foto: Zoller
Tiroler Tageszeitung, 27.1.1987

Der langjährige Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Krejci, ist nicht ganz zufällig Vorsitzender der ‚Initiative Miliz‘, die vom ‚Verteidigungsministerium‘ eingerichtet worden ist. über ihren Tochterverein ‚Institut für Wirtschaft und Politik‘ propagiert die Industriellenvereinigung in Aussendungen den Heeresausbau.
Nachdem Mitte der Achtzigerjahre ein Funktionär der VÖI, der Konzernmanager H. Krünes, eine Zeit lang an der Spitze des ‚Verteidigungsministeriums‘ gestanden war, ist nach den letzten Wahlen gar dem Generalsekretär der Industriellenvereinigung, man stelle sich das vor!, angeboten worden, ‚Verteidigungsminister‘ zu werden (Kurier, 13.11.90). Auf seine Ablehnung hinauf ist es dann ein Bürschchen aus dem deutschen Henkel-Konzern geworden.
In den Kassen der Industriellen, das zeigt dieses Heft, ist so viel zusammengerafftes Geld, daß es hinter dem Schein einer Demokratie eine Einbetonierung ihrer Macht erlaubt, die alle Demokratie verhöhnt. Da können wir lang wählen und wechselwählen dagegen und ungültigwählen und nichtwählen.

Mit Lohnsteuergeldern und Mehrwertsteuergeldern ist in der Zweiten Republik wieder ein Bundesheer aufgerichtet worden, das wieder nicht dazu gedacht ist, für die österreichische Bevölkerung zu kämpfen.

Dies ist den Kapitalisten ihr Staat. Für uns gibt’s ein bißchen demokratischen Firlefanz, ein bißchen Fernsehdiskussionen, ein bißchen Profil-Leserbriefe, ein bißchen Tag der offenen Tür im Landhaus und im Parlament. Sie aber haben Vorkehrung getroffen und diese falsche Ordnung, diese himmelschreiende Unordnung, massiv abgesichert. Banken und große Industrietriebe haben reihenweise Schutzverträge mit Einheiten des ‚österreichischen‘ Bundesheeres in der Tasche oder im Tresor. (Nach Auskunft eines Militärs ist in diesen Verträgen der Objektschutz im Krisenfall geregelt.) Einen solchen Pakt, wie ihn die Sparkasse Innsbruck mit dem Landwehrstammregiment 62 hat, öffentlich ‚Partnerschaft‘ genannt, haben z.B. auch die Banken Oberösterreichische Raiffeisen-Zentralkasse, Girozentrale oder BAWAG, Versicherungen wie Merkur-Versicherung, Wiener Allianz oder Donauversicherung, Stromfabriken wie Draukraftwerke AG, STEWEAG oder SAFE, inländische Industriebetriebe wie Hirtenberger Patronenfabrik, ÖMV oder Leykam AG - und schließlich viele ausländische Multis wie ITT Kapsch, Semperit, Shell, Siemens.

Die Industriellenvereinigung selbst hat auch so eine ’‚Partnerschaft‘’, scheinheiligerweise eine mit dem Gardebataillon Wien, laufen.
‚Diese Partnerschaft hat im vergangenen Jahrzehnt die Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Bundesheer und der Industrie weiter verfestigt und wurde sowohl von hohen Militärs als auch von den Spitzenrepräsentanten der VÖI als sinnvoller Brückenschlag gewürdigt.‘ (Industrie, 25.10.89)